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The Glass Box Drucken E-Mail
Ein mahnender Thriller vom Babylon 5-Schöpfer Kategorie: Literatur & Comics - Autor: Christian Siegel - Datum: Samstag, 22 Februar 2025
 
Titel: "The Glass Box"
Bewertung:
Autor J. Michael Straczynski
Umfang: 336 Seiten (E)
Verlag: Blackstone (E)
Veröffentlicht: 09. Januar 2004 (E)
ISBN: 978-1-803-36422-3 (E)
Kaufen: Gebunden (E), Taschenbuch (E), Kindle (E)
 

Kurzinhalt: Nach einem politischen Umbruch wird das Demonstrationsrecht in den USA stark eingeschränkt. Doch zahlreiche Aktivist:innen, die gegen die neue Regierung aufbegehren, wollen sich das nicht gefallen lassen, und eben – u.a. um gegen eben dieses neue, undemokratische Gesetz zu protestieren – auf die Straße. Eine davon ist Riley Diaz, welcher der politische Aktivismus von ihren quasi in die Wiege gelegt wurde. Doch als die Polizei kommt, um die illegale Demonstration zu zerschlagen, wird sie verhaftet. Danach gibt man ihr die Wahl, entweder ins Gefängnis zu gehen, oder die sechs Monate Strafe in einer psychiatrischen Klinik abzusitzen, als Teil eines neuen Programms für – aus Sicht der Regierung – fehlgeleitete Personen. Riley entscheidet sich für letzteres – was sie jedoch schon bald zu bereuen beginnt. Nicht nur, dass dort mit allen Mitteln versucht wird, ihr eine Gehirnwäsche zu verpassen und sie gefügig zu machen, ihr wird auch bewusst, dass die Ärzte dort die Macht haben, sie als gefährlich für die Gesellschaft einzustufen, und damit ihren Aufenthalt auf unbestimmte Zeit zu verlängern. Und so verlagert sich Rileys Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit von der Straße in die zunehmend beengenden und beängstigenden Wände der Klinik…

Review: Mit "The Glass Box" letzte der "Babylon 5"-Schöpfer J. Michael Straczynski letztes Jahr seinen jüngsten Roman vor – der in den Monaten darauf leider nur an Bedeutung und Brisanz gewonnen hat. Denn unter der neuen politischen Führung sind die dystopischen Verhältnisse, die JMS hier beschreibt, ungleich wahrscheinlicher und damit beängstigender geworden. Wobei "The Glass Box" zwar in den USA angesiedelt ist, die Themen, die hier behandelt werden, letztendlich aber universell sind. Es geht "einfach" um den Kampf gegen ein repressives politisches System – und das in diesem spezifischen Fall auf angenehm "kleiner" Ebene. Damit meine ich, dass wir hier keinen Politthriller vor uns haben, in dem es darum geht, eine korrupte Regierung auffliegen zu lassen und zu stürzen, sondern den Kampf eines Individuums gegen Ungerechtigkeit und für Freiheit. Wem JMS' Output nicht fremd ist, wird hier zu seinen früheren Werken (insbesondere "Babylon 5" und "Sense8") definitiv einige Parallelen finden. Angefangen beim Kampf gegen ein totalitäres, unterdrückendes Regime, über Rileys Behandlung in der Psychiatrie, bis hin zum klaren Statement, dass eine einzelne Person sehr wohl "die Welt verändern" kann, und man sich nicht einreden lassen soll, machtlos zu sein. Man merkt, dass ihm eben diese Themen wirklich am Herzen liegen, weshalb er nicht müde wird, sich ihnen immer wieder – wenn auch auf unterschiedlicher Art und Weise – zu widmen. Aber nicht nur auf der größeren, thematischen Ebene, sondern auch im kleinen – von bestimmten Momenten bis hin zu einzelnen Zitaten – wird einem hier hier als Kenner seines Schaffens so manches bekannt vorkommen.

Vom Setting – und dem Ablauf – her zeigen sich hier natürlich unweigerlich Parallelen zu "Einer flog über das Kuckucksnest". Die größere politische Ebene rund um die totalitäre Regierung in den USA, sowie die gänzlich anderen Figuren sorgen jedoch dafür, dass man sich nie wie in einem Sequel – oder gar eine Kopie – dieser Geschichte vorkommt. Mit Riley Diaz hat JMS zudem eine Heldin geschaffen, die einem mit ihrer rebellischen, engagierten und vor allem auch mitfühlenden Persönlichkeit von vornherein sympathisch ist. Dementsprechend fiebert man hier nach ihrer Einweisung in die Klinik doch ordentlich mit, und sind die darauffolgenden düsteren Entwicklungen, die ihren Aufenthalt zunehmend zu einem Alptraum machen, dementsprechend bedrückend. Zudem lägt die herausfordernde Situation, in der sich Riley hier wiederfindet, immer wieder dazu ein, dass man sich als Leser:in fragt, wie man selbst an ihrer Stelle handeln würde. Im Gegensatz zum direkten Vorgänger "Together We Will Go" steht hier jedoch mit Riley eben auch wirklich eine Figur ganz klar im Mittelpunkt. Dies ist sowohl Vor- als auch Nachteil. Vorteil, weil wir ihr dementsprechend verbunden sind (und zudem Zeit ist, sich auch wirklich tiefgehend mit ihr zu befassen, so dass wir sie kennenlernen – was wiederum unsere Bindung zu ihr verstärkt). Nachteil, weil dies zugleich bedeutet, dass alle anderen Patient:innen Randfiguren bleiben, und uns ihr weiteres Schicksal vergleichsweise wenig kümmert. Wenn ich schon den Bogen zur Kritik geschlagen haben, muss ich auch den Showdown erwähnen, mit dem ich (wieder; das eint "The Glass Box" mit JMS' vorherigen Roman) nicht ganz glücklich war; genauer kann ich jedoch nicht werden, ohne zu viel zu verraten. Sagen wir einfach, dass ich mir noch eine etwas aktivere Rolle von Riley gewünscht hätte, und ich zudem fand, dass eine bestimmte Person das ihr hier zuteilwerdende Schicksal nicht verdient hatte. Von diesen Punkten abgesehen ist "The Glass Box" aber ein mitreißender Thriller mit einigen sehr beklemmenden Momenten.

Fazit: "The Glass Box" in ein packender Thriller mit zugegebenermaßen nicht allzu revolutionärer Thematik – die allerdings zugleich (leider) in den letzten Jahren, Monaten, Wochen, ja selbst Tagen zunehmend an Bedeutung gewann, geht es hier doch um den Kampf eines Individuums gegen ein ungerechtes, unterdrückendes System, und versichert uns JMS hier wieder einmal, dass ein einzelner Mensch sehr wohl etwas verändern kann, und niemand von uns machtlos ist. Eine Message, die in der jetzigen Zeit so wichtig wirkt wie schon lange nicht. Auch die politische Entwicklung in den USA, die Straczynski hier beschreibt, ließ mir im Hinblick auf die jüngsten Ereignisse einen kalten Schauer über den Rücken jagen. Vor allem aber hat er mit Riley Diaz eine Heldin geschaffen, die einem von Anfang an sympathisch ist, und der man sich verbunden fühlt. Dementsprechend mitreißend ist ihr Kampf für Freiheit, Gerechtigkeit und Selbstbestimmung. Wie schon bei seinem Roman davor "Together We Will Go" war ich zwar auch hier mit dem Finale nicht ganz glücklich. Zudem hat mich der "Vorgänger" emotional noch ein bisschen mehr mitgenommen. Insgesamt ist "The Glass Box" aber ein so wichtiger wie mitreißender Roman, den sich vor allem Fans von JMS' Werk nicht entgehen lassen sollten.

Bewertung: 3.5/5 Punkten
Christian Siegel





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