Kurzinhalt:
Im Jahr 2104 bricht das Kolonieschiff Covenant zum Planeten Origae-6 auf. Auf dem Weg dorthin empfängt man plötzlich ein Signal von einem anderen – vermeintlich unbewohnten – Planeten. Der Android Michael, der damit betreut wurde, die Systeme des Schiffes während des Hyperschlafs der Crew und Kolonisten zu überwachen, weckt daraufhin die Kommandobesatzung der Covenant auf – wobei es jedoch zu einer schwerwiegenden Fehlfunktion kommt, durch die Captain Branson sein Leben verliert. Daraufhin übernimmt der erste Offizier Chris Oram das Kommando – worüber nicht jeder an Bord erfreut ist. Vor allem mit Bransons Ehefrau Daniels eckt Chris rasch an. Aber auch seine Entscheidung, den Flug zu ihrem ausgewählten Ziel nicht fortzusetzen, sondern einen Umweg zum neu entdeckten Planeten zu riskieren, sorgt bei einigen für Unmut. Oram hofft, in ihm eine neue, nähergelegene und paradiesische Heimat für seine Crew und die Kolonisten gefunden zu haben. Doch dort angekommen, erwartet sie vielmehr ein Alptraum…
Review:
Im Gegensatz zu "Alien IV – Die Wiedergeburt", wo der Roman zum Film von A. C. Crispin geschrieben wurde, sowie "Prometheus", wo eine solche nur in Japan von einem lokalen Autor aufgelegt wurde, wandte man sich bei "Alien: Covenant" wieder an Alan Dean Foster, um aus dem Drehbuch einen Roman zu schmieden. Danach wurde er ja auch damit beauftragt, ein – von mir zuvor gelesenes – Prequel zu schreiben. "Origins" kam bei mir insofern schlecht weg, als Foster dort leider nicht wirklich etwas zu erzählen hatte, weshalb sich dieser in meinen Augen doch ordentlich dahinzog. Hier hingegen arbeitete er wieder von einer Vorlage weg, und galt es "nur", die Story aus dem Drehbuch in einen Roman umzuwandeln. Dies bedeutet natürlich auch unweigerlich: Wenn ihr inhaltlich mit dem Film überhaupt nichts anfangen konntet, wird es Alan Dean Foster wohl schwer fallen, euch mit seiner Romanversion zu bekehren. Nun habe ich mir alle "Alien"-Filme letztes Jahr zur Vorbereitung auf "Romulus" nochmal angesehen. Dabei musste ich meine ursprünglichen Reviews zu "Prometheus" und "Alien: Covenant" insofern leicht revidieren, als bei diesem Rewatch für mich die Schwächen von "Prometheus" stärker zu Tage traten als früher, während im Gegenzug bei "Alien: Covenant" die positiven Aspekte für mich irgendwie präsenter waren. Insofern gefiel mir, genau umgekehrt zu meiner früheren Meinung, diesmal "Covenant" sogar eine Spur besser – was jedoch nicht heißt, dass ich blind gegenüber seinen Schwächen geworden wäre. Vor allem im Hinblick auf die Kontinuität ergibt sich selbst wenn man die "Alien vs Predator"-Filme ausblendet mit der Offenbarung, dass die Xenomorphen so wie wir sie kennen von David erschaffen wurden, doch ordentliche Probleme (wirkte das Schiff aus "Alien" doch wie ein uraltes Relikt). Darüber hinaus litt der Film darunter, sich nicht entscheiden zu können, ob er nun ein "Prometheus"-Sequel oder ein "Alien"-Prequel sein will. Und nicht zuletzt der off-screen Tod von Elizabeth war eine ziemliche Enttäuschung, und hinterließ eine ordentliche Lücke.
Meine Hoffnung, dass der Filmroman was Letzteres betrifft Abhilfe schaffen würde, wurde leider nicht erfüllt. Damit sehe ich im Rückblick "Alien: Covenant – Origins" fast noch einmal kritischer. Weil ich dachte mir, dass Foster diesen offenen Handlungsstrang dort deshalb nicht aufgegriffen hat, weil in seiner Adaption, die sich aufs Drehbuch bezieht, sehr wohl noch Momente mit Shaw enthalten gewesen wären, und diese halt nur (mangels Verfügbarkeit von Noomi Rapace) nicht gefilmt wurden. Aber nein. Im Hinblick auf die Ereignisse zwischen "Prometheus" und "Covenant" bleibt die Adaption genau so vage (und damit unbefriedigend) wie der Film. Das fand ich halt schon enorm schade. Darüber hinaus leidet der Roman, wie alle entsprechenden Adaptionen, natürlich darunter, dass Action und/oder Spannungsmomente in inszenierter Form immer effektiver sein werden, als reine Worte auf dem Papier. Dennoch hat mir "Alien: Covenant" auch in dieser Form durchaus gefallen. Darüber hinaus profitiert er, wie alle Adaptionen, von dem sich daraus ergebenden Vergleich zwischen dem Drehbuch und dem Endprodukt. So gibt es hier einige zusätzliche und/oder erweiterte Szenen; manche davon aus den Deleted Scenes des Bonusmaterials bekannt, aber längst nicht alle. Darüber hinaus bietet sich Foster bei seinem Buch die Gelegenheit, tiefer ins Innenleben der Figuren vorzudringen. Neben Hauptfigur Daniels profitiert dabei nicht zuletzt auch Chris Oram Zwar ist dieser auch hier ein ziemliches Arschloch, immerhin kann man aber seine Beweggründe etwas besser nachvollziehen, und darf er ganz am Ende auch Reue zeigen, was ihn im Vergleich zur Filmversion zumindest ein bisschen vielschichtiger macht. Mit am Auffälligsten ist jedoch das leicht geänderte Ende, denn im Gegensatz zum Film vermutet Daniels hier nicht, dass es sich statt um Walter und David handeln könnte. Dies dürfte somit eine Entscheidung sein, die – nachdem man bei den Dreharbeiten einen alternativen take aufgenommen hat – erst relativ spät im Schneideraum gefallen ist.
Abseits vom sich bietenden, interessanten Vergleich zwischen Film und Drehbuch profitiert "Alien: Covenant" auch von Alan Dean Fosters Schreibweise, die mir auch hier wieder sehr zugesagt hat. Trotz der Länge von fast vierhundert Seiten (was den Roman eindeutig zur längsten Adaption eines "Alien"-Films macht) wurde mir mit dem Buch zudem nie langweilig. Foster gelang es aus meiner Sicht hier fantastisch – und teilweise sogar fast besser als bei seinen Vorgängern – eine Balance zwischen einem ausreichenden Vorwärtsmomentum der Handlung, und einer Vertiefung der Story und insbesondere der Figuren zu finden. Damit konnte mir das Buch rein auf inhaltlicher Ebene sogar noch eine Spur besser gefallen als der Film. Erst zum Ende hin beginnt das dann insofern ein bisschen zu drehen, als er sich beim Showdown dann doch etwas zu viel Zeit dafür nimmt, die actionreichen Ereignisse zu beschreiben. Was einst bei "Alien" zu wenig war, wo er binnen weniger Seiten dann das komplette Finale mit Ripley und dem Alien abhandelte, ist hier wiederum zu viel – zumal halt wie gesagt eine Action, der man nur zuliest, nie ähnlich packend sein wird wie wenn man sie auf der Leinwand oder dem Fernsehschirm verfolgt. Hätte Foster an dieser Stelle gekürzt und die betreffenden Einlagen etwas effizienter erzählt, wäre er mit seiner Romanfassung mit dem Film gleichgezogen. So hingegen ordne ich ihn eine Spur schwächer – wenn auch immer noch ziemlich gut – ein.
Fazit:
Es gilt wie immer: Wenn ihr mit "Alien: Covenant" nichts anfangen konntet, wird es Alan Dean Foster mit seiner Romanversion sicher nicht gelingen, eure Meinung zu ändern. Die – trotz aller lauten Unkenrufe ja nichtsdestotrotz vorhandenen – Fans des Films werden hier jedoch eine spannende, auf dem Drehbuch basierende alternative Version vorfinden, die sich nicht nur in einzelnen interessanten Aspekten vom Endprodukt unterscheitet, sondern vor allem auch im Hinblick auf die Handlung und Figuren in die Tiefe geht. Die zahlreichen zusätzlichen oder erweiterten Momente (teilweise aus dem Bonusmaterial der DVD/Blu-Ray bekannt) werteten den Roman im Vergleich zum Film für mich definitiv auf. Schade fand ich allerdings, dass er bei aller Vertiefung der Handlung und der Figuren dennoch auf eine direktere Brücke zwischen "Prometheus" und "Covenant" verzichtet wird. Sprich, im Hinblick auf die Ereignisse zwischen David und Elizabeth Shaw ist man auch nach dem Lesen des Romans nicht schlauer. Zudem ergibt sich auch hier das bekannte Problem, dass Action- und/oder Spannungsmomente auf der Leinwand halt immer packender sein werden als auf dem Papier. Insgesamt war ich mit Alan Dean Fosters wieder einmal sehr gut geschriebener Adaption aber ziemlich zufrieden – auch wenn diese (trotz der Vertiefung) für mich ebenfalls wieder nicht ganz an die Vorlage herankam.