Kurzinhalt:
Im Jahr 2029 ist nicht nur die ganze Welt miteinander vernetzt, auch kybernetische Implantate sowie Cyborgs sind – insbesondere in der Verbrechensbekämpfung – zunehmend verbreitet. Eine davon ist Major Motoko Kusanagi, die für die auf Cyberkriminalität spezialisierte Sektion 9 arbeitet. Zusammen mit ihrem Team, dem u.a. Bató und Togusa angehören, macht sie Jagd nach einem Hacker, dem es gelungen ist, sämtliche Sicherheitsprotokolle zu umgehen, und sich sogar in die Implantate von Menschen einzuhacken, und für seine Zwecke zu missbrauchen. In der Szene nur als Puppet Master bekannt, nehmen Motoku und ihr Team über einen von ihnen gefassten Cyborg-Prototypen, der aus einem Labor geflohen ist, die Spur des Meisterhackers auf. Doch bei ihren Ermittlungen geraten sie nicht nur ins Fadenkreuz ihrer Beute, sondern auch des mächtigen Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten…
Review:
Ich bin definitiv nicht der größte Anime-Experte (bei Mangas sogar noch weniger), aber selbst mir war "Ghost in the Shell" noch lange vor der Neuverfilmung aus Hollywood ein Begriff. Der Film zählt zweifellos zu den großen Klassikern des Genres – und das auch absolut zu Recht. Einen großen Anteil daran hat zweifellos die ganze audiovisuelle Umsetzung, die viele andere Animationsfilme (gerade auch aus Amerika) damals wie heute alt aussehen lässt. Der Zeichenstil, die optische Gestaltung der Bilder, die Dynamik der Action und der Bewegungsabläufe – all dies ist einfach nur ungemein cool. Zu den eindrucksvollen (bewegten) Bildern gesellt sich dann auch noch die ikonische Musik von Kenji Kawai; so wie sich die Bilder in die Augen brennen, brennt sich insbesondere das so markante wie zumindest für westliche Ohren ungewöhnliche Hauptthema in die Ohren. Zusammen ergibt dies einen unwiderstehlichen, fast schon hypnotischen Mix, der zumindest mich immer wieder in den Film hineinzieht.
Doch es ist nicht nur die Inszenierung/Umsetzung, auch die Story weiß zu gefallen. "Ghost in the Shell" präsentiert eine überaus faszinierende Welt, mit teils erschreckenden Elementen. Was letzteres betrifft, sticht insbesondere das mit dem Müllmann hervor, dessen Gehirn quasi gehackt wird, und der sich daraufhin an eine Familie erinnert, die es nie gegeben hat. Der Film stellt darüber hinaus einige interessante philosophische im Hinblick darauf, was uns zu Menschen macht. Und nicht zuletzt die Offenbarung rund um den Ursprung des Puppet Masters hatte es mir sehr angetan. Eingebettet werden diese tiefgründigeren Aspekte in einem Mantel aus packender, opulenter Action. Bereits der Einstieg, mit der vom Dach springenden Major, sticht hervor. Danach hatten es mir dann insbesondere noch der Kampf im "Wasser", sowie das Finale mit dem Panzer, angetan. Die charmanten Figuren runden das positive Bild des Films ab. Bei meiner Zweitsichtung für dieses Review habe ich zudem das erste Mal in die deutschen Fassungen reingehört, und mich letztendlich aufgrund der besseren Tonqualität und der meines Erachtens auch passenderen Stimmen (und wie ich fand auch etwas besseren Leistungen) für die Neusynchro entschieden, bei der man sich aus der Besetzung zur (mit dem Film nicht in Verbindung stehenden) Serie "Stand Alone Complex" orientierte, und die aufgrund der zahlreichen Sprecher aus dem Universum auch salopp als "Stargate"-Synchro bezeichnet wird (wobei da und dort auch aus "Star Trek"-bekannte Stimmen zu hören sind). Mein einziger Kritikpunkt: Mit dem Ende des Films – genauer gesagt, Motokos Entscheidung (bzw. Aufgabe) war ich nicht ganz glücklich; einen anderen Ausgang, wo sie sich ihre eigene, individuelle Identität bewahrt, hätte ich persönlich vorgezogen.
Fazit:
Neben "Akira" (den ich irgendwann auch nochmal besprechen muss) ist "Ghost in the Shell" sicherlich einer der besten und wegweisendsten Science Fiction-Animes aller Zeiten. Die Adaption des (mir unbekannten) Mangas von Kazunori Itô punktet dabei sowohl mit der faszinierenden Welt, in die man uns hier wirft, wie auch mit der audiovisuellen Umsetzung, die zumindest mich von Anfang an in den Bann zog. Aber auch die Story hatte es mir angetan, wobei es mir neben so manchem durchaus erschreckenden Gedanken vor allem die philosophischen Ansätze rund um die Frage, was uns eigentlich zu Menschen macht, angesprochen haben. Zusammen mit der packend inszenierten und teilweise visuell imposanten Action ergibt dies eine höchst ansprechende Mischung, die sowohl das Gehirn als auch die für die Adrenalinproduktion zuständigen Nebennieren fordert. Und mit den sympathischen Figuren und ihrer kameradschaftlichen Beziehung zueinander wird auch das Herz versorgt. Einzig das Ende der Geschichte wollte mir auch nach dieser neuerlichen Sichtung nicht so recht zusagen. Davon abgesehen ist aber "Ghost in the Shell" zweifellos nicht einfach nur ein Klassiker des Anime-, sondern ganz allgemein des "Science Fiction"-Genres.