Originaltitel: The Next Phase Episodennummer: 5x24 Bewertung: Erstausstrahlung USA: 16. Mai 1992 Erstausstrahlung BRD: 06. Mai 1994 Drehbuch: Ronald D. Moore Regie: David Carson Hauptdarsteller: Patrick Stewart als Captain Jean-Luc Picard, Jonathan Frakes als Commander William T. Riker, LeVar Burton als Lt. Geordi LaForge, Michael Dorn als Lt. Worf, Gates McFadden als Dr. Beverly Crusher, Marina Sirtis als Counselor Deanna Troi, Brent Spiner als Lt. Commander Data. Gastdarsteller:
Michelle Forbes als Ro Laren,
Thomas Kopache als Mirok,
Susanna Thompson als Varel,
Shelby Leverington als Brossmer,
Brian Cousins als Parem,
Kenneth Meseroll als Ensign McDowell u.a.
Kurzinhalt:
Die Enterprise kommt einem romulanischen Forschungsschiff zu Hilfe. Als sich Geordi LaForge und Ro Laren mit einem Graviton-Generator zurück zur Enterprise beamen, kommt es zu einer Fehlfunktion, und als sie weder auf der Enterprise noch an Bord des romulanischen Schiffes rematerialisieren, werden sie für tot erklärt. In Wahrheit wurden sie Opfer einer experimentellen Tarnvorrichtung der Romulaner, durch die sie in der Phase verschoben wurden – weshalb sie zwar durch Wände gehen können, zugleich jedoch niemand sie sehen, hören oder sonst wie wahrnehmen kann. Zunehmend verzweifelt müssen die beiden mit ansehen, wie ihre Kollegen um sie trauern, und sogar eine Trauerfeier für sie planen. Währenddessen versuchen Geordi und Ro, herauszufinden, wie sie den Prozess wieder umkehren können. Während eines Besuchs auf dem romulanischen Schiff werden sie auf einen Plan aufmerksam, die Enterprise zu sabotieren. Das Schiff soll sobald man auf Warp geht explodieren. Doch in ihrem derzeitigen Zustand haben die beiden weder die Möglichkeit, etwas dagegen zu unternehmen, noch die Crew der Enterprise zu warnen. Zudem wurde auch ein Romulaner in der Phase verschoben, der ihnen wieder auf die Enterprise zurückfolgt. Während Ro von diesem quer durch die Enterprise gejagt wird, versucht Geordi verzweifelt, Data auf sich aufmerksam zu machen…
Denkwürdige Zitate:"But… my uniform. My visor. Are you saying I'm some blind ghost with clothes?" "I don't have all the answers. I've never been dead before!"
(Geordi hat ob Ros Theorie so seine Zweifel.)
"I don't believe this. I'm dead, you can't even hear me, and I'm still intimidated by you."
(Ro zu Picard, als sie den Captain in seinem Bereitschaftsraum besucht, um sich zu verabschieden.)
"Looks like a great party. Do you mind if we join you?"
(Ein wieder sichtbarer Geordi zur überraschten Trauergemeinde.)
Review:
Schaffen wir den offensichtlichsten Kritikpunkt gleich mal aus dem Weg: Wenn Geordi und Ro durch Wände gehen und nichts berühren können – wie schaffen sie es dann, herumzugehen bzw. später sogar zu -laufen? Müssten sie nicht – so wie das unglückliche Crewmitglied in "Datas erste Liebe" – durch den Boden fallen und/oder wie weiland Kirk in der Dimensionsverschiebungs-Folge "Das Spinnennetz" in der Luft schweben? Hier verlangt "So nah und doch so fern" doch eine ordentliche Dosis "suspension of disbelief", wenn man sich auf sie einlassen will. Und überhaupt: Wenn sie unsichtbar sind, warum werfen Ro und Geordi dann Schatten? Wieso wird der ebenfalls phasenverschobene Disruptorstrahl des Romulaners von einer Wand aufgehalten? Und wie bzw. wo hat sich der Romulaner eigentlich vor Ro und Geordi auf dem Shuttle versteckt? Nicht aufgepasst hat man zudem bei Ros Besuch auf der Brücke, wo sie den Sessel und danach ihre Arbeitsstation berührt. Sehr konstruiert fand ich auch die Erklärung, warum die beiden nicht auf der Transporterplattform rematerialisieren, sondern irgendwo auf der Enterprise, und danach für einige Zeit bewusstlos herumliegen. Hatten die aber ein Glück, dass sie nicht irgendwo draußen im All wieder zusammengesetzt wurden!
Man sieht schon: Den inneren Vulkanier sollte man besser ausschalten, wenn man "So nah und doch so fern" genießen will. Sieht man von diesen Logikfehlern ab, ist die Episode soweit aber ganz gelungen. Für mich wird sie dabei in erster Linie von den interessanten und teils berührenden Szenen gerettet, wo Geordi und Ro die Trauer ihrer Kollegen miterleben. Vor allem Data durfte sich dabei wieder einmal erstaunlich menschlich zeigen, angesichts des Bedauerns, dass er wegen des Ablebens seines guten Freundes zum Ausdruck bringt. Damit das Ganze nicht zu melancholisch wird, geht es da und dort mitunter aber auch etwas lockerer zu, wie z.B. wenn sich Geordi bei Captain Picard – der ohnehin weder ihn noch Ro wahrnimmt – entschuldigt, da er Ro von ihm wegreißt, oder auch bei der Ro quälenden und bis zuletzt offen bleibenden Frage, was Riker denn eigentlich über sie bei seiner Rede über sie sagen wollte. Und auch die von Data organisierte Trauerfeier ist ausgelassener, als man das von Begräbnissen sonst so gewohnt ist – und hatte für mich aber auch genau deshalb einen großen Charme. So wünsche ich mir meine eigene Trauerfeier auch einmal, keine langen Gesichter, sondern gute Stimmung. Für die notwendige Spannung sorgt dann schließlich die Sabotage durch die Romulaner, die Geordi und Ro noch einen weiteren Grund gibt, zu versuchen, so rasch als möglich in ihren "Normalzustand" zurückzukehren. Auch die Verfolgungsjagd quer durch die Crewquartiere war für mich eines der Highlights – inklusive dessen Ausgang, wo der Romulaner kurzerhand durch die Wand geworfen wird und im All landet. Und auch die Effekte konnten mir wieder einmal sehr gut gefallen. Neben den Szenen im Weltraum stechen hier natürlich vor allem jene Momente hervor, wo Geordi und Ro durch Personen und Wände gehen, bzw. mit ihrer Hand durch Gegenstände fahren. Das war alles makellos umgesetzt.
Fazit:
Die Prämisse erfordert zweifellos eine gehörige Portion "suspension of disbelief" um sich auf die Folge einlassen zu können. Fragen wie "warum fallen die nicht durch den Boden?" und noch zahlreiche weitere potentielle Logiklöcher werden dem geneigten Vulkanier diese Episode ziemlich verderben, und auch ich konnte sie zugegebenermaßen nicht vollständig ausblenden. Abseits dieser Einladungen zum Kopf kratzen ist "So nah und doch so fern" aber eine ziemlich gelungene Folge. Was sie rettet, war dabei für mich in erster Linie die Portion Herz, die sie mitbringt. Jene Szene, wo die Crew um ihre vermeintlich gefallenen Kameraden trauert, waren teilweise durchaus berührend. Zudem erlaubte das Erlebnis vor allem auch wieder einen tieferen Einblick in Ro. Und auch Data durfte sich in seiner Trauer über Geordis vermeintlichen Tod wieder einmal von seiner menschlichen Seite zeigen. Damit das Ganze nicht zu trübselig wird, gibt es dann den einen oder anderen netten Gag zwischendurch, und dank den sabotierenden Romulanern ist auch für die nötige Spannung gesorgt. Die überzeugenden Effekte und die guten schauspielerischen Leistungen rund den überwiegend positiven Gesamteindruck dann schließlich ab.